Günther Diehl    Bietigheim/Baden Sept. 2011 Der Baum und das Holz Im „Bienchenhof“ von Hochstadt sind unter dem obigen Titel 111 Werke von 14 Künstlern ausgestellt. Allen voran Werner Brand, der den „Bienchenhof“ von einem Gehöft zu einem Kunstzentrum umgebaut und umgenutzt hat. Seine Baumlandschaften, meist in die Melancholie einer Abendstimmung getaucht, zeugen von einer in unserer Zeit selten gewordenen Malkultur. Dem Bauholz, dem Scheitholz und dem frisch ‚geernteten‘ Rundholz versteht er in verdichteten Kompositionen subtilste malerische Reize abzugewinnen. Zwei seiner Gemälde zeigen flächenfüllend angeschwemmtes Treibholz, ein im Alltag unbeachtetes Nebenmotiv, das wandbildgroß ins Monumentale gesteigert ist. In völligem Gegensatz dazu Hermann Hoormanns märchenhafte Radierungen, die intime Traumwelten unter der Wurzelzone oder zwischen Stämmen feingesponnen imaginieren. Ulrich J. Sekingers Baumtriptychon entfaltet im Mittelteil einen saftgrünen Maulbeerbaum, der in den Seitenteilen von Ölbumen flankiert wird. Diese Mediterraneis ist altmeisterlich in der sogenannten Aufbautechnik mit Eitempera und Ölfarbe gemalt, sodass sie bei Kerzenlicht wie etwa die mittelalterlichen Altarbilder intensiver wirkt. Anders sein Bruder Walter Sekinger, der direkt zupackend per Primamalerei und bodenständig seine Motive aus dem Markgräfler Land und dem Südschwarzwald schpöft, wie etwa der „Rohhardsberg“ oder die „Teichbachschlucht“. Seine Spezialität sind bizarre Bäume, deren Astlöcher und Überwallungen sich zu Gnomen und sonstigen Grotesken formieren. Anders wiederum die feinsinnigen Ölgemälde von Lucien Jung. Seine konzentriert präsenten Musiker halten Instrumente, die als solche auf das nun klanglich veredelte Holz hinweisen. Lionel Picker malt in äußerst verhaltenen Ölfarben Stillleben und Waldstücke, in die eine für unsere Zeit selten gewordene Stille eingekehrt ist. Auch zeigt er einen Jungen mit Cello und einen Theorbenspieler. Das Zupfinstrument ist mit einem extrem langen Griffsteg ausgestattet, der diagonal nach oben weist. Petra Roquette zeigt Stelen aus gefärbtem Laubholz, geöltem Kirschholz und ins Werk integrierten, ausgedienten Eisenbahn-Schwellen. Ihr „Phoenix“ aus weißlasiertem Ahorn windet sich entgegen stelenhafter Strenge flammenförmig nach oben. Ihr Holz- Metall-Objekt hält in einem orthogonalen Metallgestänge ein dynamisches und berarbeitetes Holzfundstück gefangen. Günther Diehl bietet „Spanische Augenblicke“ in einer stilpluralistischen Collage, wobei den Platanen vor tiefblauem Azur unten eine Assemblage aus realem Sturmholz von Orkan Lothar gegenkomponiert ist. In Bruno Altmayers äuerst penibel gemalter Fantasie mit einer Gebirgskette im tiefgelegten Horizont und monumental in den Himmel ragender Zypresse schwebt ein Seeadler als „Bote der Hoffnung“ heran. Gerhard Wackermanns bemooster Baumstumpf in Acryl auf Leinwand ist von Herbstlaub bildflächenfüllend dekorativ umgeben. Organogene Formen, die auch Sexuelles assoziieren lassen, kennzeichnen Roswitha van der Zanders Holzplastiken. Mythologisierende Baumbilder von Heinz Brzoska, naturalistische Aquarelle von Eduard Schwöbel und ein kleines Acryl-Bild von Reinhard Dassler runden die Schau ab. Es lohnt ein Besuch des Bienchenhofes, ein Werk zu erschwinglichem Preis zu erwerben und damit dem eigenen Heim eine prägnante Note zu geben. (Geöffnet Samstag 14-18 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch 17-20 Uhr. Finissage am 2.10.11 um 15 Uhr.)